„Soziallotsen“ leiten durch schwierige Alltagssituationen

Der Verein ERfA II startet in Kooperation mit der Stadt Graz ein neues, innovatives Sozialprojekt im Rahmen des Grazer Aktionsprogramms gegen Armut

Lotsen gibt es für Schiffe in schwierigen Gewässern oder für Kinder auf gefährlichen Schulwegen, sowie an jedem Flughafen. Soziallotsen unterstützen Menschen, die verschiedenste Herausforderungen des Alltags nicht oder nur unter großen Mühen bewältigen können. Im Rahmen des Grazer Aktionsprogramms gegen Armut startet Stadträtin Elke Edlinger mit dem Projekt „Soziallotsen“ gemeinsam mit dem AMS und ERfA II – Verein zur Förderung des Wiedereinstiegs in das Arbeitsleben ein neues, innovatives Sozialprojekt für die Stadt Graz.


Sozialstadträtin Elke Edlinger: „Erfahrungswerte aus der täglichen Arbeit und Bedarfserhebungen in sozialen Handlungsfeldern ergeben den dringenden Bedarf an Personen, die eine Form von niederschwelliger sozialer Betreuung übernehmen. Also den Bedarf nach sogenannten Lotsinnen und Lotsen, die als mobile und flexible Begleiter Menschen durch für sie schwierige Alltagssituationen ‚lotsen’ oder wichtige Dinge des täglichen Bedarfs übernehmen, die aus verschiedenen Gründen selbst nicht geleistet werden können.“

Für Menschen, die sich ohnehin schon in schwierigen sozialen Situationen befinden, ergeben sich oft zusätzliche Barrieren, ihr Leben zu meistern. Solche Barrieren reichen von Grundbildungsdefiziten wie mangelhaften Kenntnissen im Lesen und Schreiben, Sprachbarrieren bei MigrantInnen über eingeschränkte Mobilität bei älteren Personen bis hin zu einem fehlenden sozialen Umfeld, wovon vor allem ältere und/oder in Armut lebende Menschen betroffen sind.

Umgesetzt wird das Projekt vom Verein ERfA II und dem Sozialamt der Stadt Graz in Kooperation mit dem AMS Graz und Umgebung. Projektleiterin Gabriele Oberhumer vom Verein ERfA: „Speziell im MigrantInnen-Bereich entsteht ein zunehmender Betreuungsbedarf. Zum Beispiel gibt es bei anerkannten Konventionsflüchtlingen das Problem, dass mit dem Auslaufen der Grundversorgung auch viele Betreuungsangebote wegfallen, diese Menschen aber, speziell Personen mit psychischen Beeinträchtigungen, trotzdem weiterhin einen hohen Bedarf an Unterstützung haben. Zum einen bestehen nach wie vor Sprachbarrieren, zum anderen stellt das sich Zurechtfinden im ‚Behördendschungel’ eine Hürde dar. Hier möchten wir mit dem Projekt Soziallotsen ansetzen. Für die zukünftigen Soziallotsen haben wir ein fachspezifisches Schulungsprogramm konzipiert. Eingebunden werden dabei die Sozialarbeiterinnen des Sozialamtes ebenso wie das BürgerInnenservice der Stadt Graz.“

 

In welchen Bereichen sind die Soziallotsen tätig?

  • Begleitung zu Ämtern und Behörden

  • Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen

  • Aufklärung und Unterstützung beim Geltendmachen von Ansprüchen

  • Erledigung von Einkäufen (SeniorInnen)

  • Botengänge, Begleitung bei Arztbesuchen

  • „Institutionalisierte Nachbarschaftshilfe“ in den städtischen SeniorInnenwohnungen, wie mobiler Begleitservice (Arztbesuch, Apotheke, Einkäufe, Bank- und Behördenwege), Unterhaltung (Gespräche führen und zuhören)

  • Einzugsbegleitung für MigrantInnen

 

Welche Personengruppen werden von den Soziallotsen unterstützt?

  • PensionistInnen
  • BewohnerInnen der städtischen SeniorInnenwohungen
  • SozialhilfebezieherInnen
  • Anerkannte Konventionsflüchtlinge, speziell nach Auslaufen der Grundversorgung

Aktion 4000 und Projekt Soziallotsen: Win-Win-Situation für Beteiligte.

Die Personen, die als Soziallotsinnen und –lotsen eine Arbeit finden, werden im Rahmen der vom AMS und Land Steiermark geförderten Aktion 4000 angestellt. Hannes Graf, Leiter der AMS Regionalgeschäftsstelle Graz und Umgebung: „Das AMS Steiermark und das Sozialressort des Landes Steiermark verfolgen mit der Aktion 4000 das Ziel, Menschen mit Vermittlungshemmnissen den Weg zurück in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Das Beschäftigungsprojekt bietet langzeitbeschäftigungslosen Menschen die Chance auf den Wiedereinstieg, durch geförderte Transitarbeitsverhältnisse und durch gezielte Arbeitsangebote, unter anderem im städtischen/magistratsnahen Bereich. Träger der Aktion 4000 in Graz ist der Verein ERfA II. Mit dem Projekt ‚Soziallotsen’ schaffen wir nun ein neues Beschäftigungsfeld im Rahmen der Aktion 4000, durch das für beide Seiten, nämlich für die Betroffenen, welchen durch die Soziallotsen geholfen wird und für die Beschäftigten selbst, neue Chancen eröffnet werden.“

Das Sozialamt der Stadt Graz steht in enger Kooperation mit dem Verein ERfA, bei dem auch die Sozialinterventionsstelle angesiedelt ist. Otmar Pfeifer, Leiter der Sozialinterventionsstelle des Sozialamtes der Stadt Graz: „Wir möchten mit gemeinnützigen Beschäftigungsangeboten Menschen, die sonst keine oder nur wenige Chancen haben, dabei helfen, den Weg zurück in den Arbeitsmarkt zu finden. Ziel des Projekts Soziallotsen ist es neben der Schaffung von Qualifizierungs- und Arbeitsmöglichkeiten, auch ämter-, behörden- und einrichtungenübergreifendes Handeln in die Praxis umzusetzen. Neben den Sprengelsozialarbeiterinnen des Sozialamtes werden das Integrationsreferat und das Amt für Wohnungsangelegenheiten als Kooperationspartner mit eingebunden. Vor allem geht es aber darum, den Beschäftigten mit der Arbeit als Soziallotse oder Soziallotsin das wichtige Gefühl zu vermitteln, gebraucht zu werden und etwas Sinnvolles für die Gemeinschaft zu leisten.“

Die SoziallotsInnen sind ab sofort per E-Mail Formular und per Telefon unter 0664 88 62 05 01, sowie persönlich in der Bethlehemgasse 6, 8020 Graz (gegenüber dem Eingang zum Geriatrischen Gesundheitszentrum – Albert-Schweitzer-Gasse) erreichbar.